Gundermann – eine Würzpflanze mit vielen Namen
Es gibt solche und solche essbaren Wildpflanzen. Manche kannst Du in großen Mengen in einem Gericht verwenden, z.B. Giersch im Pesto oder Brennnessel im Spinat. Andere aber nicht, da sie sonst zu intensiv herausschmecken würden. Und dazu gehört der Gundermann (Glechoma hederacea). Ich entscheide mich hier im Text für die Bezeichnung Gundermann, aber ich muss sagen, ich benutze im Alltag oder bei Führungen auch gern die Bezeichnung Gundelrebe, das ist mal so und mal so. Und beides ist richtig. Auch Erdefeu und Waldpetersilie wird er genannt.
Der Gundermann ist bekannt für seinen intensiven Duft und sein kräftiges Aroma. Er beinhaltet u.a. ätherische Öle, Bitterstoffe, Gerbstoffe und Vitamin C. Er riecht schon beim Zerreiben der Blätter überragend, minzig und herb-würzig. Und er schmeckt bitter, minzig und herb-aromatisch. Ich mag seinen intensiven Geruch und sein Aroma und möchte Dich dazu einladen, seine frischen Blättchen für Wildkräuterbutter, Wildkräuterquark, Wildkräuteraufstrich und Salat zu pflücken. Du kannst auch die jungen Triebe komplett mit Stiel und Blüten verwenden. Ich empfehle Dir, ihn anfangs in kleinen Mengen zu verwenden, um zu sehen, ob er Dir schmeckt, aber ihn auf jeden Fall kennenzulernen! Ich sage mal, nehme ihn anfangs im Verhältnis zu anderen Zutaten wie Pfeffer zum Würzen eines Gerichtes.
Warum er auch Gundelrebe oder Erdefeu heißt
Die Pflanze wächst am Boden und bildet kriechende Ausläufer. Sie rankt in alle Richtungen und vermehrt sich auf diesem Wege. Die jungen Triebe wachsen im Frühjar zuerst bis zu 30 cm aufrecht und legen sich dann auf den Boden. An allen Blattachseln bilden sich neue Wurzeln, wo die Pflanze anwächst. An diesen angewurzelten Stellen entstehen im Jahr darauf wieder neue Triebe, die nach dem Blühen an den Blattachseln anwurzeln. Und so entstehen ganze Teppiche an manchen Plätzen, wo weder gemäht noch Unkraut gejätet wird.
Vielleicht kennst Du die Pflanze aus Deinem Garten gerade vom Unkraut jäten. Sie wächst gern mal quer über ein Blumen- oder Gemüsebeet. Und wenn man an einer Ranke zieht, um sie zu entfernen, kommen gleich mehrere mit.
Wo der Gundermann auch sehr gerne wächst und im Frühjahr violette Teppiche bildet, ist unter Obstbäumen. Hier findet eine Symbiose zwischen Obstbaum und Gundermann statt. Der Baum wird durch den intensiven Duft des Gundermannes, der Schädlinge abhält, geschützt.
Volksmedizin und Naturheilkunde
In der Volksmedizin wurde der Gundermann früher zur Behandlung von schlecht eiternden Wunden verwendet. Gund steht für Eiter. Oder man hat den ausgepressten Saft der Blätter auf Blutergüsse und Quetschungen gelegt. Hildegard von Bingen verordnete Umschläge bei Ohrensausen.
Heilkräuterkundige nutzen ihn bis heute aufgrund seiner zusammenziehenden und entzündungshemmenden Wirkung als Hustenpflanze und zum Gurgeln bei Entzündungen im Mund und Rachen.
Liebe auf den ersten Blick
Ich habe mich in den blühenden Gundermann verliebt nachdem ich ihn kennengelernt habe. Diese lieblichen kleinen Blüten siehst Du von weitem im Frühjahr, auf dem jungen und noch ungemähten Rasen zwischen Moos und Gras, an Waldwegen und im lichten Waldstück, an Heckenrändern, Wegrändern und im Unterholz. Sie zaubern mir immer ein Lächeln ins Gesicht.
An den jungen Trieben zeigen sich von März bis ca. Juni die violetten Blüten, die Du als essbare Deko verwenden kannst. Du kannst sie sowohl auf Salate streuen als auch auf süße Nachspeisen. Sie haben nicht dieses intensive Aroma wie die Blätter und schmecken eher süßlich.
Beim Gundermann handelt es sich um ein Lippenblütengewächs. Alle Lippenblütler (Lamiacea) haben diese Blütenform bestehend aus Oberlippe und Unterlippe. Die Lippenblütler sind übrigens alle essbar. Einige Beispiele aus dieser Pflanzenfamilie sind Rosmarin, Lavendel, Salbei und Taubnessel. Verkoste doch mal bei Gelegenheit die Blüten der mediterranen Sommerkräuter.
Die Erkennungsmerkmale des Gundermannes
kriechende Ausläufer
nierenförmige Blätter
Blattrand gekerbt
die Blätter stehen sich an den Trieben immer gegenüber
kreuzgegenständig
vierkantiger Stil
mehrere violette Blüten sitzen in den Blattachseln
Blüte mit Ober- und Unterlippe
Duft und Aroma intensiv herb-würzig
Schokolierter Gundermann oder Wiesen-After Eight
Ein versüßter Einstieg und Annäherungsversuch an den Gundermann könnte über schokolierte Blätter gelingen. Sein minziges Aroma kommt in Verbindung mit Schokolade toll zur Geltung. Und zwar kannst Du seine zarten Blätter, die von April bis zum Herbst dafür die optimale Größe und Zartheit haben, mit dem Stil abpflücken und dann in geschmolzene Schokolade tunken oder die Blätter mit einem Pinsel von beiden Seiten mit geschmolzener Schokolade bestreichen und trocknen lassen.
Das Rezept findest Du demnächst hier auf meiner Website.
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Sonstige wilde Köstlichkeiten mit Gundermann
Die Würzpflanze eignet sich in kleinerer Mengen gemischt mit anderen Wildpflanzen für Wildkräutersuppe, Dip, Aufstrich, Pesto, Smoothie, Teemischungen. In größeren Mengen kannst Du ihn zum Aromatisieren von Wasser, Kräuterlimo, Apfelsaft, Kräuterlikör und Kräuteressig verwenden.
Verwechslungsmöglichkeiten
Der Gundermann ist ganzjährig zu finden, auch im Winter. Die nierenförmigen und bodennahen Blätter kann man im Februar/März bevor er die Triebe austreibt und zu blühen beginnt mit Blättern der Nelkenwurz und der Knoblauchsrauke verwechseln. Beides sind jedoch essbare Wildpflanzen. Die Blätter des Gundermannes sind mir persönlich im Winter allerdings zu ledrig für das Wiesen-After Eight. Dann kommen sie eher auf ein Butterbrot.
Zur Blütezeit im Frühjahr könntest Du ihn mit dem Kriechenden Günsel (Ajuga reptans) verwechseln, weil er ähnlich violette Blüten hat. Aber auch dieser ist eine essbare Wildpflanze. Du kannst seine Blüten genau so verwenden, sie schmecken nur bitterer. Der Günsel wächst außerdem kerzengerade und seine Blätter sind oval.
Hier ein kleiner Eindruck zur Vorfreude auf den Frühling und die essbare Natur vor Deiner Türe.









